Ein Krisenplan kostet nichts, braucht 30 Minuten und löst das Problem, das kein Vorratsregal lösen kann: Wie finden sich Familienmitglieder wieder, wenn die normalen Wege weg sind? Während der Notvorrat das „Was brauchen wir"-Problem löst, beantwortet der Plan das „Wo seid ihr, wer ruft wen an"-Problem – und genau dafür gibt es diese Vorlage zum Durchgehen. Kombinierbar mit dem Vorratsrechner (Mengen) und dem Familien-Notfallplan (Rahmen).
Warum ein Plan wichtiger ist als jedes Regal voller Konserven
In echten Notfällen (Hochwasser, Großbrands Evakuierung, landesweiter Stromausfall am Werktag) ist die Familie ortsverteilt: ein Elternteil im Büro, ein Kind in der Schule, das andere im Sportverein. Die Konserven im Keller helfen in dieser Stunde niemandem. Was hilft: drei vorher vereinbarte Antworten auf „Und jetzt?" – und ein Zettel, auf dem sie stehen, wenn der Handyakku leer ist.
Block 1: Notfalltreffpunkte
- Treffpunkt A (wohnnah): Ein alltagstauglicher, leicht zu beschreibender Ort – Spielplatz-Eingang, Kirchenportal, Bushaltestelle X. Kein „unser Haus", das Haus ist ja vielleicht nicht erreichbar.
- Treffpunkt B (regionalfern): Ein Ort außerhalb des Wohngebiets, für den Fall, dass das ganze Viertel betroffen ist („bei Oma in Y", Bahnhof der Nachbarstadt).
- Zeitfenster vereinbaren: „Wir warten bis 18 Uhr, dann gehen wir zu Treffpunkt B." Ohne Zeitfenster wartet jemand ewig am leeren Ort.
Block 2: Kontaktkette
- Die Fern-Anlaufstelle: Eine Person außerhalb der Region (Klasse: Tante in Bayern, Freund in Hamburg). Ruft jede/r dort an, finden sich alle über diesen einen Knoten – Verbindungen in die Ferne funktionieren oft, wenn Nahverkehr gestört ist. Internationaler Standard in Notfallplänen.
- Kette im Haushalt: Wer informiert wen? (z. B. Papa → Oma, Mama → Fern-Anlaufstelle, beide → Schulen)
- Ausgedruckt, nicht nur im Handy: Der Plan hängt an Kühlschrank, steckt in Schultasche und Geldbeutel. Papier braucht kein Netz und keinen Akku.
Block 3: Kinder
- Schul-Regel klären: Wer holt ab, wenn wir nicht können? Der Schule diesen Menschen schriftlich nennen – sonst darf sie niemand mitgeben.
- Notfallkarte im Etui: Name, zwei Nummern, Treffpunkt A. Für Grundschulkinder am besten auswendig üben – Nummern-Spiel im Alltag.
- Altersgerecht erklären: Kurz, sachlich, ohne Horror-Szenarien: „Wenn wir uns verpassen, gehst du zum Spielplatz-Eingang und wartest. Mama oder Papa kommen." Der Plan schützt – er ängstigt nicht.
Block 4: Haustiere
- Wer nimmt das Tier bei Evakuierung? Box und Tier-Notfallmappe (Impfpass, Chip-Nummer, Futterplan) stehen griffbereit.
- Pfleger-Vollmacht: eine Person außer Haus, die im Krankenhaus-Fall das Tier übernimmt.
Block 5: Dokumente & Medikamente
- Dokumentenmappe: Ausweise, Geburtsurkunden, Impfpass, Versicherungspolicen, Bankkarten-Info – in einer Mappe, von allen Erwachsenen auffindbar. Checkliste und Aufbau: 72-Stunden-Hausliste.
- Medikamentenliste: Wirkstoffe, Dosierungen, Apotheke, Arzt – Ausdruck in der Mappe und beim Vorrat. Besonders relevant im Alter: Krisenvorsorge für Senioren.
- Hausschlüssel & Code: Wo liegt der Ersatzschlüssel für den Vertrauensnachbarn?
Die Vorlage zum Durchgehen
Kopiere diesen Block in ein Dokument (oder schreibe ihn ab) und fülle ihn zu Hause aus – 30 Minuten, fertig:
UNSER FAMILIEN-KRISENPLAN – Stand: ____________
- Treffpunkt A (wohnnah): _______________________________
- Treffpunkt B (regionalfern): _______________________________
- Wartezeit bei A, dann Wechsel zu B: bis ____ Uhr
- Fern-Anrufstelle (außerhalb der Region): Name ____________ Tel. ____________
- Kontaktkette: ______ informiert ______ → ______ informiert ______
- Kinder: Schule/Kita ruft bei Abholung an: Name ____________ Tel. ____________
Notfallkarte im Etui: [ ] ja | Treffpunkt A auswendig: [ ] ja - Haustiere: Tier __ ____, Transportbox Ort: ____________, Pfleger im Notfall: ____________
- Dokumentenmappe Ort: ____________ | Medikamentenliste Ort: ____________
- Vertrauensnachbar/in: ____________ (Schlüssel: [ ] ja, Ort: ____________)
- Nächster Review des Plans: ____________ (empfohlen: alle 6 Monate)
Jedes Familienmitglied kennt: Treffpunkt A, Fern-Anrufstelle, „anrufen, wenn erreichbar". Plan hängt am Kühlschrank + Kopie in jeder Schultasche/Geldbörse.
Abschließende Schritte: (1) Plan einmal laut durchsprechen – Lücken fallen beim Sprechen auf. (2) Eine kleine „Übung" im Alltag: Beim Sonntagsspaziergang zeigen alle, wo Treffpunkt A ist. (3) Halbjahr später: Review-Termin im Kalender.
Häufige Fragen
Reicht der Plan digital als Notiz im Handy?
Als Ergänzung ja, als Hauptversion nein – Akku, Netzstörung und gesperrte Geräte machen Handynotes im Ernstfall unzuverlässig. Papier hängt am Kühlschrank, wenn alles andere still ist.
Wie oft muss der Plan aktualisiert werden?
Alle 6 Monate ein Blick drauf: Nummern, Schul-Regel, Treffpunkte. Nach Umzug, Schulwechsel oder Familienzuwachs sofort.
Gehören Vorräte in den Krisenplan?
Nur als Verweis: „Vorrat: Kellerregal" reicht. Die Mengen und Einkaufslisten finden sich im Notvorrats-Guide und im Familien-Vorrat.
Fazit
Der Familien-Krisenplan ist das höchste Nutzen-zu-Aufwand-Verhältnis der gesamten Vorsorge: 30 Minuten, 0 €, und die ganzen „was-wäre-wenn"-Fragen im Kopf sind beantwortet. Er ist das verbale Fundament, auf dem Vorrat (Rechner), Ausrüstung und Familie erst zusammen funktionieren – und er schläft nicht im Keller, sondern hängt sichtbar an der Küchenwand.